Inmitten der EinenWelt Teil 1:

Frühlingsmorgen
Meng Haoran (689–740, Tang Dynastie)

Schlaf tief in den Frühlingstag.
Ringsumher tönt Vogelschlag.
Nachts doch Wind und Regen gehört.
Sind wohl viele Blüten zerstört?


Lieber Tee als Kaffee

Nanjing, Montag den 14.03. 2016

Meine Ankunft in Peking hatte ich mir anders vorgestellt. Ich wollte Fotos machen. Von den Zugbegleitern mit Schirmmütze in makellosen blauen Uniformen, die sie nur für die Einfahrt in Moskau und Peking anziehen. Von der Lok und den grünen Wägen. Von dem riesigen Bahnhofsgebäude. Ich wollte die Atmosphäre einfangen, die vielen Leute um mich herum wahrnehmen, fremde und vertraute Wörter hören, dem Gefühl nachspüren zurück zu sein im Land der Mitte. Ein Land, dass ich niemals wirklich verstehen werde und trotzdem liebgewonnen habe. Allein ein russischer Pferdeakrobat durchkreuzt meine Pläne. Read More

Advertisements

Zwischen Welten Teil 4

           – eine Million Generationen –

 Irkutsk, Samstag, den 12. März 2016
Berlin: 03:53 Uhr
Moskau: 05:53 Uhr
Peking: 10:53 Uhr

Alles was ich sehen kann, ist eine unendlich weite weiße Fläche, die sich bis zum Horizont erstreckt. Die transsibirische Eisenbahn hat das südliche Ufer des Baikalsees erreicht. Er ist 673 Kilometer lang. Das entspricht in etwa der Distanz zwischen Aachen und Rosenheim, wofür ich mit dem ICE sechs bis sieben Stunden brauche. Breit hingegen ist er nur 82 Kilometer. Nicht mehr als ein Katzensprung also. Mit einer gemittelten Wassertiefe von 730 Metern ist er der tiefste Süßwassersee der Erde. Meine Erinnerungen an Momente des Staunens während ich von einem Berggipfel in ein weites Tal blicke, geben mir ein Gefühl für seine maximale Tiefe von 1642 Metern.

Read More

Zwischen Welten Teil 3

Eiskalt erwischt –

Bereits weit hinter Novosibirsk, Freitag, den 11. März 2016
Berlin: 09:59 Uhr
Moskau: 11:59 Uhr
Peking: 17:59 Uhr

Wie sieht mein Tagesablauf aus? Morgens verharre ich eine ganze Weile in der Kältestarre. Nach gut zwei Stunden habe ich ausreichend Willenskraft gesammelt, mich von meinen drei Decken zu lösen. Es ist der Moment, in dem mein Hunger groß genug ist, mein Müsli mit Milchpulver zu genießen. Nicht mehr lange und ein dringendes Bedürfnis zwingt mich auf die Toilette. Zitternd sitze ich auf der Kloschüssel. Der eisige Waschlappen gleicht dem Gefühl von schmelzendem Schnee im Nacken. Read More

Zwischen Welten Teil 2

– Engineering Failure –

Sibirien, Donnerstag den 10. März 2016
Berlin: 04:14 Uhr
Moskau: 06:14 Uhr
Omsk: 9:14 Uhr
Peking: 11:14 Uhr

Bereits zwei Tage im Zug habe ich das dringende Bedürfnis meine Haare zu waschen. Aus dem Rucksack packe ich neben frischem T-Shirt, Waschbeutel, Shampoo und Handtuch ein kurzes Stück Gartenschlauch mit verstellbarer Klemme. Jetzt kann es losgehen. Auf der Toilette wasche ich mich erst einmal wie gewohnt mit einem Waschlappen. Das Wasser ist unverändert ziemlich kalt. Nicht dass ich mich vor normal kaltem Wasser scheue, aber siebirisch eisiges Wasser lasse selbst ich mir ungern über den Kopf laufen. Not macht erfinderisch… Read More

Zwischen Welten Teil 1

Abschied | Grenzerfahrung | Globalisiert | Enough

Gewidmet einer Rose mit vier Dornen, die traurig unter einer Weltkarte aus rotem Filz sitzt, weil sie ihren kleinen Prinzen verabschieden musste.

Aachen Sonntag, den  06. März 2016           – Abschied-
Berlin: 21:45 Uhr
Moskau: 00:45 Uhr
Peking: 05:45 Uhr

Ich sitze in einem Zugabteil. Auf dem Platz mir gegenüber liegen mein Strohhut und mein Wollpullover. Auf dem Boden vor mir stehen mein vollgepackter Backpack und ein großer Stoffbeutel mit einem großen Fairtrade-Logo. Er ist bis an den Rand gefüllt mit Proviant. Ein schriller Pfiff. Die Türen schließen. Mit einem Ruck rollt der Zug los. „Meine Sehr verehrten Fahrgäste, ich begrüße Sie herzlich auf der Fahrt von Aachen nach Hamm (Westfalen) über …“. Bei Hamm bleiben meine Gedanken hängen. Ich ersetze das Wort und spule zurück. „ Meine sehr verehrten Fahrgäste, ich begrüße Sie herzlich auf der Fahrt von Aachen nach Nanjing (China) über Köln, Warschau, Moskau und Ulambatur.“ Jetzt ist es richtig. Kurz muss ich den Stift bei Seite legen und nachsehen, ob ich auch wirklich mein Handy-Ladekabel eingepackt habe. Da ist es. Meine Anspannung löst sich in Erleichterung.

Erst eine Stunde ist es her, da stellte ich fest, mein Lebensglück gefunden zu haben und nun sitze ich im Zug nach Nanjing. Zugegeben, dass ist eine Sache, die sich nicht …. Read More